Die andere Geschichte der Radziwills

Die andere Geschichte der Radziwills

Die Geschichte der Radziwills beginnt mit Oscik in Trakai. Dieser Ort, diese Lichtung im Walde, liegt heute in Litauen, unweit von der Stadt Vilnius. Oscik war der Berater und Vertraute von Witold, Vytautas in Litauen genannt. Es war eine wilde und harte Zeit.

1413 hatte Ostik das polnische Wappen Trabi (siehe oben links) erhalten. Witold gab ihm den Posten des Kastellans von Wilna, den zuvor Woyschund, ein Anhänger von Jagailo, bekleidet hatte. Ostiks Sohn, Radwil Ostikowitsch, machte seinen Vornamen zum Familiennamen. Die Radvilos vergrößerten ihren Einfluss in der Union Litauen-Polen. Sein Nachfahre, Mikolay (Nikolaus) Radvila änderte 1477 den Familiennamen, indem er das polnische Wort für Königlicher Rat, zum Bestandteil des Familiennamens machte. Sie waren nun nicht mehr das litauische Adelsgeschlecht Radvila, sondern das polnische Adelsgeschlecht Radziwill x1 und modifizierten das Wappen Trabi, das nun noch drei weitere Wappeninhalte erhielt.

Viele Persönlichkeiten künden von der einst so ruhmreichen Zeit. Die Radziwills gerieten in den Strudel der geschichtlichen Ereignisse, die einst über das Gebiet des Großherzogtums Litauen und die Polnisch-Litauische Union hineinbrachen. Spätestens mit der letzten Teilung Polens war der Niedergang der Radziwills nicht mehr aufzuhalten. Viele verloren ihre einstige Heimat. Auch die zwei Weltkriege hinterließen ihre Spuren in der Familiengeschichte.

Garnison TilsitFür viele der heute in Deutschland lebenden Radziwills begann die Geschichte des Neubeginns bereits in den Wirren des Polnisch-Litauischen Krieges mit Russland, Ukraine und Schweden 1656-1667 und den Nordischen Kriegen, besonders des 2. Nordischen Krieges 1656-1660. Die Güter, die im heutigen Belarus liegen waren von den Moskowitern konfiziert worden, und auch spätere Kämpfe hinterließen Spuren der Verwüstung. Es ist eine Geschichte mit vielen Fasetten, der Niederlagen, Enteignungen und des Neubeginns - sogar der Auswanderung nach Amerika. Radziwills waren im Focus der Gegenreform, starben auf den Schlachtfeldern und hatten ebenso wie die Bevölkerung unter der Pest zu leiden, die damals über die Landstriche des Ostens herüberzog. Es ist aber auch eine Geschichte des Aufbaus und Neubeginns in Preußisch Litauen, in früheren Zeiten auch Klein Litauen x2 genannt, das als Ostpreußen 1871 deutsch wurde und deren Teile nun entweder polnisch (Masuren) oder russisch sind (die früheren Gebiete Königsberg, Elchniederung, Tilsit/Ragnit, Gumbinnen etc.). Von hier aus zogen viele Radziwills nach Deutschland, Frankreich, der Schweiz und in andere Länder. Seit der Jahrtausendwende können sich die polnischen Radziwills nun wieder etwas mit dem Glanz vergangener Tage schmücken. Sie gehören zur königlichen Familie in Polen mit einer Linie aus fünf Häusern.